Spaß mit der Deutschen Bahn

Tuesday, March 28. 2006, 21:59
Nachdem ich mich nun bald ein Jahr mit der Deutschen Bahn AG um 14 EUR herumstreite, scheint es mir doch mal Wert, die ganze Geschichte aufgrund ihrer Absonderlichkeiten und der offensichtlichen Leseunfähigkeit der Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG, sowie der InFoScore Forderungsmanagement GmbH, zu veröffentlichen.

Im Juni vergangenes Jahr besuchte ich das Politikfestival Berlin 05, für welches ich mich per Internet anmeldete. Dafür gab es ein attraktives Angebot, welches in der Anmeldebestätigung so beschrieben wurde:
Du nutzt das tolle Angebot der Bahn und wirst für 29 Euro nach Berlin und zurück fahren.
Du kannst mit allen Zügen fahren, auch mit dem ICE. Wenn du dir in einem bestimmten Zug einen Platz reservieren möchtest, musst du dich darum aber selbst kümmern.


Nun, aufgrund der Beschreibung ging ich davon aus, dass ich mit »allen Zügen fahren« kann. Eine falsche Annahme, wie sich herausstellte. Meine Beschreibung des Sachverhalts, wie ich sie auch der Deutschen Bahn schriftlich mitgeteilt habe (Name der Schaffnerin unkenntlich gemacht):

Also fuhr ich von Karlsruhe mit dem ICE 1090 nach Mannheim und anschließend mit dem ICE 504 von Mannheim nach Berlin Zoo. Kurz nach Mannheim wurde ich bereits kontrolliert und mein Ticket wurde ohne Beanstandung akzeptiert. Kurz nach Frankfurt wurde ich erneut von einer Frau --- kontrolliert, die der Ansicht war, dass ich trotz des Tickets für den Zug einen Aufschlag von 14 EUR zahlen müsste. Ich war dazu nicht bereit und verwies sie auf die Anmeldebestätigung des Festivals, die ich dabei hatte, sie warf jedoch nichtmal einen Blick darauf.
Nach längerer Diskussion erklärte sie, dass ich, wenn ich nicht sofort zahlen würde, 40 EUR zahlen müsste. Im gesamten Verlauf war Frau --- sehr unfrendlich und in keinster Weise bereit, zur Klärung der Situation beizutragen.


Die oben zitierte Anmeldebestätigung lag dem Schreiben bei. Daraufhin teilte die Bahn mir mit:

Nach den geltenden Beförderungsbedingungen ist der Zustieg in die Fahrzeuge nur mit gültiger Fahrkarte erlaubt. Die Fahrkarten sind vor Antritt der Fahrt zu lösen und ggf. sofort zu entwerten.
Im vorliegenden Fall wurden die Beförderungsbedingungen nicht eingehalten, insofern ist unsere Forderung berechtigt.
Unabhängig davon haben wir für Ihre Schilderung Verständnis. Aus kundendienstlichen Gründen, jedoch ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, sind wir bereit unsere Forderung auf EUR 14,00 zu ermäßigen.


Interessant ist hier bereits, dass ganz offensichtlich niemand es für nötig hielt, mein Schreiben zu lesen. Weder bin ich ohne Fahrkarte in irgendein Fahrzeug gestiegen, noch wird klar, in welcher Weise ich gegen die Beförderungsbedingungen verstoßen haben sollte. Ganz offensichtlich ein Standard-Anschreiben, welches man erstmal an renitente Kunden schickt. Der letzte Satz heißt wohl sowas wie »wir tun mal so, als ob wir nett sind, damit der Ruhe gibt und zahlt«.
Nach einer weiteren Mahnung schrieb ich der Bahn nochmal, dass ich ihnen die Situation bereits geschildert hätte, dass ihre Behauptungen unzutreffend seien und dass sie doch bitte auf den Inhalt meines Schreibens eingehen sollten.

Nun, das nächste Schreiben war besonders drollig:

Unsere Überprüfung hat ergeben, dass bei der telefonischen Bestellung Veranstaltungstickets gebucht wurden, nicht jedoch der ICE Sprinter-Aufpreis der für Ihren gewählten Zug für jeden Fahrgast erforderlich ist. Der Aufpreis zuzüglich Bordpreis ist deshalb auch noch nicht beglichen.

Nachdem ich erst angeblich ohne Fahrkarte in ein Fahrzeug gestiegen bin, hab ich nun angeblich eine Fahrkarte per Telefon bestellt. Nun, ich versteh ja, dass das mit der ganzen modernen Kommunikation für manche Menschen verwirrend sein muss. Aber dass sich ein Telefon von einer Internetseite unterscheidet, das könnte man ja schon noch begreifen.

Kurze Zeit später erhielt ich ein Schreiben der InFoScore Forderungsmanagement GmbH (vermutlich ein Rechtsbruch, in ungeklärten Verfahren meine Daten an Dritte weiterzugeben). Der Preis wurde zur Abwechslung mal wieder etwas teurer, 27,42 EUR sollte ich jetzt zahlen. Daraufhin schrieb ich nochmals sowohl an die Bahn, als auch an InFoScore, beschrieb in Kürze die komplette Geschichte und merkte an:

In Ihrem jüngsten Antwortschreiben schrieben sie von einer telefonischen Bestellung (es handelte sich jedoch um eine Internetbestellung). Offensichtlich handelt es sich also um eine Verwechslung.

Offenbar hat man auch bei der InFoScore GmbH Schwierigkeiten mit dem Lesen. Als Antwort erhielt ich lediglich eine Kopie des mir bereits von der Bahn zugestellten Schreibens mit der Behauptung, ich hätte telefonisch bestellt.

Medienvertreter, Mitarbeiter von Verbraucherschutzverbänden o. ä., die Lust haben, den Fall aufzuarbeiten, können sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

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Comments
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"jedoch ohne Anerkennung einer Reisepflicht" klingt im Kontext Deutsche Bahn zwar erheiternd, gemeint war doch aber sicherlich die Nichtanerkennung einer Rechtspflicht? ;-)
#1 basquiat (Link) on 2006-03-29 14:13 (Reply)
Ja, steht auch so im Schreiben ;-)
Falsch abgetippt, ist jetzt korrigiert.
#1.1 Hanno (Link) on 2006-03-29 17:07 (Reply)
Hallo,
bis jetzt ist die Geschichte vielleicht noch spaßig. Das ganze kann aber noch zur unendlichen Geschichte mutieren, die dann mit der Zeit anfängt zu nerven.

Es ist ja schon so, dass die Bahn AG - was Kundenservice anbelangt - noch nicht das Dienstleistungsunternehmen ist, das es vielleicht sein möchte. Aber Kundenservice kostet Geld und Geld hat man ja nie zuviel, besonders wenn man sich auf einen Börsengang vorbereitet.

Der ganze Verwaltungsvorgang kostet der Bahn AG schon jetzt wesentlich mehr als jemals wieder in die Kasse kommen wird.
Teile uns bitte den Ausgang der Geschichte mit.
#2 Hans (Link) on 2006-04-08 17:27 (Reply)
irklich ein starkes ding. Toll scheisse von der DB AG ( Hartmut Mehdorn ) ich habe auch schon so manche starke dinger der DB AG mitbekommen wo es sich um ein Paar euros handelte.

MFG

Ramon Kreuz
#3 Ramon Kreuz on 2006-08-01 10:19 (Reply)
mich würd mal interessieren, wie das ganze ausgegangen ist? :)
#4 sara (Link) on 2006-09-13 21:00 (Reply)
Die InFoScore hatte wohl keine Lust mehr und ich hab grad ein Briefchen von der »Rainer Haas und Kollegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH«.
Eine Antwort auf meinen ersten Brief hab ich immer noch nicht, dafür aber einen weiteren Streitfall am laufen, über dessen Verlauf ich vielleicht demnächst auch mal schreibe, stay tuned...
#4.1 Hanno (Link) on 2006-09-14 00:27 (Reply)
Hallo!
Ich habe ebenfalls dieses Matyrium durchgemacht ! Bin in einer S Bahn von einem Kontrolleur der Bahn AG kontrolliert worden und habe meinen Studentenausweis, der als Fahrausweis gültig ist, vorgezeigt. Der Kontrolleur meinte daraufhin das dieser einen ungültigen Zeitraum aufweist. Ich habe leider vergessen den neuen einzustecken. Einen Monat später habe ich dann ein erhöhtes Beförderungsgeld der Bahn AG erhalten, mit der Bitte dies zu zahlen. Ich habe daraufhn meinen Fall geschildert und an die Bahn das Rückschreiben gesendet. Sie haben mir daraufhin mitgeteilt das sie nicht von der Zahlung absehen werden und haben es an die Info Score weiter gegeben. Ich habe also noch weitere Zahlungsaufforderungen bekommen und auch noch mehrmals ein Antwortschreiben und den gültigen Fahrausweis mit versendet. Nun ist es also nach langem hin und her ebenfalls bei der Anwaltsgesellschaft Haas un Kollegen. Ich weiss auch keinen Ausweg mehr!
#5 Dave on 2006-10-26 10:43 (Reply)
Ich erlebe auch gerade Folter von den Handlangern der Bahn.Infoscore und jetzt kommt der Haase.Ich bin schwarz gefahren(ich mein gut, der Bahnhof wurde umgebaut,der Fahrkartenautomat stand an einen anderen Gleis und die Stempelautomaten funktionieren ja auch fast nie).Ich bin am 27.02. schwarz gefahren und habe 40 Euro am 01.03.06 an DB SErvice bezahlt,das habe ich schwarz auf weiß auf meinen Kontoauszug. Jetzt soll ich an den Haasen 96 € zahlen,warum weiß ich nicht.Ich werde auf jeden Fall bei einen Mahnbescheid Widerspruch einlegen und überlege mir eine Klage gegen die Bahn.Vielleicht kann man sich ja zusammentun mit einer Sammelklage? Ich werde mal zur Verbraucherschutzberatung/Anwalt gehen,vielleicht kann man aus der Staatsschuldenbahn ja noch ein bißchen Profit machen.Gruß Günter
#5.1 Gkepp on 2006-12-07 08:51 (Reply)
INFO SCORE

Ich wollt mal was zum Infoscore sagen. Ich wollte mir einen kleinen Kredit bei meiner Bank nehmen. Schufa, Einkommen und Vermögensverhältnisse ließen einen Kreditrahmen von 56000 Euro zu. ALlerdings habe ich den Kredit über 5000 Euro nicht bekommen, da mein InfoScore nicht in Ordnung sei.
Da ich kein Bänker, sondern nur ein Normalsterblicher Verbraucher bin, fragte ich was denn ein Infoscore überhaupt ist, was denn da für Daten über mich gespeichert sind und wie ich einsicht in diese Daten nehmen kann. Erstere Frage wurde mir beantwortet: Es ist eine Datenbank, die Daten hinsichtlich der "Zahlungsmoral" sammelt. Wenn man also wegen diversen Rechnungen angemahnt wird, führt das zu einer verschlechterung des Infoscores. Welche Daten gespeichert worden sind könne ich angeblich bei der Schufa erfragen.
Ich für 7,5€ eine Schufa Auskunft beantragt und siehe da:
Ihr InfoScore Wert liegt bei 84 von 100 möglichen.

Nichts weiter! Unglaublich!
Da werden Daten über uns gesammelt, die offensichtlich einfluss auf unsere "Bewertung" haben, aber wir erfahren nicht wer, was und warum gemeldet wird.

Ich könnte da echt explodieren.
#6 Joe Outlaw on 2007-05-14 13:31 (Reply)
Infoscore? Das ist doch die Firma, die angeblich ihren Kunden Bonitätsdaten liefert. In Wirklichkeit verschicken veraltete Informationen und die blöden Firmen zahlen für diesen Quatsch auch noch. Als Endkunde hat man keine Chance, man wird nicht beliefert, nur weil so eine Sch...firma solche Infos verbreitet. Wäre ich doch nur in Finnland geblieben.
#7 Karri Buhannen on 2007-06-14 17:31 (Reply)

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