In schöner Regelmäßigkeit wieder - Fleischskandal

Thursday, November 24. 2005, 23:28
Die Aasfresser unter uns (zu denen ich nicht gehöre) durften sich in letzter Zeit mal wieder über appetitliche Meldungen freuen - vergammeltes Fleisch tonnenweise in den Verkauf gelangt, teilweise das Haltbarkeitsdatum bei der Jahreszahl gefälscht und ähnliche Erfreulichkeiten.
Jetzt will man natürlich "hart durchgreifen", "schnelle Aufklärung" und "scharfe Kontrollen". Hmja. Irgendwie kommen mir da Erinnerungen hoch. Da war was... BSE? Creutzfeldt-Jakob? Tiermehlverfütterung?
Ja, da war doch was. Da wollte man auch "hart durchgreifen", alles anders machen. Seinerzeit mussten zwei Ministerien geräumt werden, man erschuf gar ein neues Ministerium, eins für Verbraucherschutz.
Scheint ja gut gewirkt zu haben.

Achja, irgendwann gab's auch mal Schweinepest, Maul- und Klauenseuche und Geflügelpest.
Nun, ich wage die kühne Voraussage, dass auch wenn jetzt "hart durchgegriffen" wird, es "schärfere Kontrollen" gibt und was auch immer man sich noch ausdenken mag, das nicht der letzte Fleischskandal gewesen sein wird.

Der Fleischkonsum unserer westlichen Gesellschaft ist ein vollkommen absurder. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln erfordert ein vielfaches (ca. 10x) der Fläche und Energie im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln. Der Fleischkonsum in der westlichen Gesellschaft lässt sich eben nur durch Massentierhaltung realisieren - mit den logischen Konsequenzen - und sowieso nicht weltweit übertragen.

Man muss kein ideologischer Vegerarier sein (ich betrachte das bei mir als persönliche Entscheidung, die ich niemanden aufdrängen muss) - aber eine Ernährung in einer absurden Form, die Seuchen und andere Unappetittlichkeiten geradezu heraufbeschwört.

»Du bist Deutschland« - Kampagne dümpelt im braunen Sumpf zwischen Neoliberalismus und Junger Freiheit

Wednesday, November 23. 2005, 18:20
Denn Du bist DeutschlandDieses Bild hat vermutlich inzwischen fast jeder gesehen, von hier stammt es, Spreeblick hat es berühmt gemacht.
Inzwischen hat sich sogar ein »Leiter des Kampagnenbüros«, Lars Cords, bei den Spreeblick-Kommentaren zu Wort gemeldet.

Natürlich wirft niemand dem Kampagnenbüro vor, von derartigen »Vorbildern« gewußt zu haben. Überraschen dürfe es jedoch kaum - wer sich in deutschnationalem Jargon ausdrückt, muss mit sowas rechnen - dass man nicht wenigstens nach dieser Panne die Sache möglichst schnell beendet, spricht eigentlich schon Bände.

Dass die Kampagne selbst offen mit Rechtsradikalen Kräften paktiert, hat mich dann aber doch überrascht: So gab ein Andreas Fritzenkötter, Verantwortlicher des Bauer Verlages für die Kampagne, bereits vor einem Monat der rechten Zeitung »Junge Freiheit« ein Interview. Selbst wer wirklich der (meiner Meinung ja sehr verqueren) Ansicht ist, Deutschtümelei jenseits von rassistischer Ideologie betreiben zu können, muss sich angesichts dessen doch Fragen, wie Herr Cords angesichts solch offensichtlicher Schnittstellen zu offenen Rassisten noch behaupten kann: "Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste Nationalsozialismus, Rassismus und neonazistisches Gedankengut."

Ein strahlender Zug...

Sunday, November 20. 2005, 21:23
Castor bei Maximiliansau... fuhr heute durch Karlsruhe.

Die bösen Spiele sind schuld!

Thursday, November 17. 2005, 22:28
Okay, sich über Politiker lustig zu machen, ist vielleicht nicht besonders originell, aber das wollte ich meinen geneigten Blog-Lesern doch nicht entgehen lassen:
Die CSU-Abgeordnete Maria Eichhorn gibt telepolis ein Interview über Computerspiele. Schon die Überschrift, mit der gemachten Aussage "Unsere Forderung ist nicht populistisch" lässt einen ja schmunzeln (Populistisch? Wir? Niemals! Sowas würden wir nie tun! Doch nicht bei der CSU).
Besonders entlarvend fand ich ja folgende Frage:
Lassen sich denn Belege für eine Verbindung zwischen so genannten Killerspielen und Jugendgewalt anführen, wissenschaftliche Studien etwa?
Maria Eichborn: Gerade auch im Zusammenhang mit dem Schulmassaker in Erfurt 2002 hat es Bestätigungen gegeben, denen zufolge entsprechende Filme oder Spiele durchaus einen negativen Einfluss ausüben. Ursprünglich herrschte die Meinung vor, dass es ja nicht so schlimm sei, wenn diese Filme oder Spiele von den Eltern entsprechend begleitet würden. Weil sich das nicht bestätigt hat, besteht hier ein klarer Handlungsbedarf.


Hmm, schön drumrumgeredet. Die ehrliche Antwort wär vermutlich »Nein« gewesen. Aber das wär ja zu peinlich zuzugeben. Sucht man nach derartigen Studien, wird man an verschiedener Stelle fündig, etwa hier oder hier (vereinzelt auch andere Stimmen will ich jetzt nicht ausblenden, aber die Mehrheitsmeinung scheint eine andere zu sein). Eine Studie im direkten Zusammenhang mit den Ereignissen in Erfurt hab ich vergeblich gesucht. Was sich da genau "gerade auch" gezeigt hat, bleibt verborgen.

Ich neige ja persönlich, wenn ich überhaupt spiele, eher zu anderen Genres und musste kürzlich feststellen, dass mein aktuelles Lieblingsspiel, welches ich auch schon in die Kategorie »neumodisch« einsortiert hätte, auch schon fast 10 Jahre alt ist (Mario 64). Ich sehe die Entwicklung durchaus kritisch. finde es legitim zu fragen, warum sich der Computerspielemarkt seit Doom und Wolfenstein so stark in Richtung Gewaltspiele entwickelt. Mit so sinnfreiem Geblubber und so Kollateralschäden, dass man vor einigen Jahren mal eben ALLE Spiele per se kriminalisiert hat (nach dem deutschen Jugendschutzgesetz sind alle Spiele erstmal ab 18, solang sie keine kostenpflichtige Freigabe beantragen) und sonstigem unsachlichem Blödsinn trägt man dazu aber ganz sicher nicht bei.
Was der tp-Autor leider nicht gefragt hat: Ich würde stark vermuten, dass Frau Eichborn sich noch nie wirklich mit der Thematik außeinandergesetzt hat, dass sie vermutlich noch nie auf einer LAN-Party war, um mit den Leuten zu reden.

Zum Abschluss fragt telepolis:
Sie haben die sozialen Hintergründe von Gewalt angeführt. Verdeckt die Debatte um die Schuld so genannter Killerspiele aber nicht gerade eine notwendige weiter führende Diskussion über gesellschaftliche Hintergründe von Gewalt hierzulande, Armut und soziale Ausgrenzung etwa?
Maria Eichhorn: Diese Punkte haben wir in unserem Koalitionsvertrag ja auch drin.


Dann ist ja alles gut.
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