Old file formats

Tuesday, January 3. 2012, 21:17
I recently had a discussion about the accessibility of today's computer content in the future. We started asking ourselves how well the support in current software is to read and use old legacy data formats - graphics, videos, text, layout documents, whatever may still be interesting today.

I remembered having such a discussion some years ago and back then, Works documents were mentioned by someone as a somewhat difficult format. Back then, libwps existed with some command line tools to convert to staroffice format (which could then be opened by openoffice) and experimental patches existed for openoffice itself. Seems at least here the situation has improved. The current version of libreoffice reads Works documents out of the box.

Free software projects play an important role in keeping old data accessible. Just to name two, ffmpeg does a great job in supporting a large number of old and exotic video formats. It's used by a bunch of popular video players like mplayer and vlc. For graphics files, there is imagemagick, which provides a conversion tool to up-to-date formats like PNG.

In some upcoming blog entries, I'll try to explore things, will look for old files and see if I am able to use them.

A call to my readers: Do you have any old stuff laying around that you'd find interesting to access today? Which file formats are difficult to access? Are you searching for tools to open / convert them? Do you have something old that might be worth publishing to others as well? Send me your stuff, I'm very interested.

Videoüberwachung in der Umkleidekabine - abgebaut

Monday, December 26. 2011, 22:27
Videokamera in der UmkleideIm Frühjahr hatte ich die Thermen am Europa-Center in Berlin besucht - ein Luxus-Schwimmbad mit Sauna.

Ich habe in Sachen Videoüberwachung ja schon manches erlebt, aber das hat mich dann doch ziemlich erschrocken: In der Herrenumkleidekabine wurde per Kamera überwacht. Ich war zunächst ziemlich empört - und später dann auch ziemlich sicher, dass das kaum rechtlich zulässig sein kann. Eine kurze Google-Recherche zu ähnlichen Fällen bestätigte mir dies.

Erschwerend kam hinzu, dass man als Kunde das natürlich erst bemerkt, wenn man schon bezahlt hat. Ein Hinweisschild im Eingangsbereich oder ähnliches war nicht zu finden, wovon ich mich beim Gehen nochmals überzeugte.

Hinweisschild in der UmkleideIch habe mich also folgerichtig an den Berliner Datenschutzbeauftragten gewandt. Vor wenigen Tagen erhielt ich nun einen dreiseitigen Brief mit dem - doch recht erfreulichen - Ergebnis.

Das Amt des Datenschutzbeauftragten hat eine datenschutzrechtliche Kontrolle der Räumlichkeiten vorgenommen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass die Überwachung der Umkleide eindeutig gegen das Bundesdatenschutzgesetz verstößt. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Überwachung im Eingangsbereich zwar zulässig ist, aber die Hinweise auf die Videoüberwachung unzureichend waren. Die Kameras in der Umkleide wurden entfernt und vor dem Eingang wurde ein Zusätzliches Hinweisschild angebracht.

Ich finde es doch erfreulich, dass man sich wenigstens manchmal noch gegen das Ausarten der Überwachung des öffentlichen Bereichs wehren kann. Ein ausdrückliches Lob an die Mitarbeiter der Berliner Datenschutzbehörde (mit denen ich schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe).

Keine Ahnung und das soll auch so bleiben

Wednesday, December 7. 2011, 19:31
Gert Hoffmann
Versteht von solchen Dingen nichts: Gert Hoffmann (Quelle: Kontraesan / Wikipedia, Creative Commons by-sa by)
In Braunschweig hat sich die Piratenpartei darüber beschwert, dass die Internetzugänge der Ratsfraktion in Braunschweig überwacht werden. So wird etwa jede aufgerufene Webadresse gespeichert.

CDU-Oberbürgermeister und Ex-NPD-Mitglied Gert Hoffmann hat dazu folgendes mitzuteilen:
»Ich habe davon natürlich nichts gewusst, verstehe von solchen Dingen nichts und interessiere mich auch nicht dafür. Das wird auch so bleiben.«


Und nein, das ist keine Satire, sondern steht tatsächlich genau so in der Pressemitteilung der Stadt.

Heute mit "Ja" abstimmen

Sunday, November 27. 2011, 11:08
Ich wohne selbst leider nicht mehr in Baden-Württemberg und kann somit heute nicht abstimmen.

Aber mein dringlicher Aufruf an alle, die dort gemeldet sind: Bitte geht heute zur Volksabstimmung. Es ist wichtig.

Verteidigung meiner Diplomarbeit

Thursday, October 27. 2011, 21:04
Die Verteidigung meiner Diplomarbeit über RSA-PSS an der HU Berlin wird am 10. November stattfinden. Die Veranstaltung ist öffentlich (17:00 Uhr s. t., Rudower Chausee 25, Campus Berlin-Adlershof, Raum 3'113). Achtung: Termin und Ort verschoben.

Hier die Ankündigung:

Das Verschlüsselungs- und Signaturverfahren RSA ist das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Public Key-Verfahren. RSA kann nicht in seiner ursprünglichen Form eingesetzt werden, da hierbei massive Sicherheitsprobleme auftreten. Zur Vorverarbeitung ist ein sogenanntes Padding notwendig. Bislang wird hierfür meist eine simple Hash-Funktion eingesetzt. Schon 1996 stellten Mihir Bellare und Philipp Rogaway für Signaturen ein verbessertes Verfahren mit dem Namen "Probabilistic Signature Scheme" (PSS) vor. Es garantiert unter bestimmten Annahmen "beweisbare" Sicherheit.

In der Diplomarbeit wurde untersucht, welche Vorteile RSA-PSS gegenüber früheren Verfahren bietet und inwieweit RSA-PSS in verbreiteten Protokollen bereits zum Einsatz kommt. Weiterhin wurde eine Implementierung des Verfahrens für X.509-Zertifikate für die nss-Bibliothek erstellt. nss wird unter anderem von Mozilla Firefox und Google Chrome eingesetzt.

Heroin, Crack, Meth - alles legal - spinnen die?

Sunday, October 23. 2011, 17:25
Am Wochenende beschloss die Linkspartei einen Programmtext, in dem sie forderte, alle Drogen - darunter auch sogenannte "harte" Drogen wie Heroin oder Crack - zu legalisieren. Ziemlich viele Leute fanden das wohl keine gute Idee, wobei die sich meistens nicht die Mühe machen, irgendwelche Argumente vorzubringen.

Wozu auch? Wer sowas fordert, muss verrückt sein. Oder? Das sah auch die Führungsspitze der Linkspartei so und brachte noch auf dem selben Parteitag - erfolgreich - einen späten Änderungsantrag ein, der die Sache wieder relativierte. Man sei jetzt nur noch für eine »kontrollierte Abgabe«.

Dass es scheinbar für allzu viele als absolut selbstverständlich gilt, die Forderung nach einem Ende der Prohibitionspolitik für verrückt zu erklären - so selbstverständlich, dass es Argumente gar nicht mehr benötigt - ist bedauerlich. Deswegen möchte ich mich mal bemühen, das wichtigste geradezurücken.

Die härteste Droge ist Alkohol

Es lohnt sich ja gelegentlich, sich den aktuellen Stand der Wissenschaft zu vergegenwärtigen, wenn man über etwas diskutiert. Vielleicht bin ich da etwas naiv, aber ich denke Fakten sind einer Diskussion meist zuträglich.

Eine Studie zum Thema wurde etwa im November 2010 im britischen Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht - ein Update einer vorigen Untersuchung von 2007. Hier gibt's einen Artikel des Guardian dazu. Darin versuchen die Autoren, die Gefährlichkeit verschiedener Drogen anhand von Kriterien einzusortieren und vergeben Punkte (mehr Punkte = Droge gefährlicher). In der Spitzengruppe rangieren Alkohol (72), Heroin (55) und Crack (54). Nicht uninteressant ist auch die restliche Einschätzung, die nicht gerade dem entspricht, was man allgemein denkt: Meth (33), Kokain (27), Tabak (26), Speed (23), Cannabis (20), GHB (18), Benzodiazepine (15), Ketamin (15), Methadon (13), Butane (10), Kath (9), Ecstasy (9), Annabolika (9), LSD (7), Buprenorphin (6) und Zauberpilze (5). Auffällig ist etwa, dass die Autoren Cannabis für gefährlicher als Ecstasy und LSD halten.

Die Studie ist übrigens kein Ausreisser - eine ähnliche Studie wurde etwa 1998 von der französischen Regierung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse unterscheiden sich zwar in der Einschätzung der "harmloseren" Drogen - anders als die Lancet-Studie sah man damals etwa die Gefahren von Cannabis als deutlich geringer an. Aber auch hier schätzte man Alkohol als eine der gefährlichsten Drogen ein.

Wenn also irgendjemand fordert, man müsse "harte" Drogen weiterhin verbieten und nur "weiche" Drogen legalisieren - Alkohol gehört in jedem Fall zu den "Harten". Nun fordert niemand ernsthaft das Verbot von Alkohol. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts probierten dies bekanntlich einige Staaten - unter anderem die USA.

Alkohol ist die mit Abstand am meisten und am selbstverständlichsten konsumierte Droge in unserer Gesellschaft. Keinen Alkohol zu trinken gilt als sonderbar (Randbemerkung: Ich trinke nahezu nie Alkohol - ich hab damit also Erfahrung).

Der Drogenkrieg kostet Menschenleben

Einer der blutigsten Konflikte auf der Welt ist zur Zeit der Drogenkrieg von Mexiko - obwohl dieser in den Medien kaum vorkommt. Seit einigen Jahren versucht die mexikanische Regierung massiv - mit Unterstützung der USA - Drogenproduktion und Handel mit Gewalt einzudämmen. Die LA Times berichtet von über 34.000 Toten zwischen 2006 und 2010. Das sind mehr als im Afghanistankrieg (wobei man bei dem Vergleich anmerken muss, dass natürlich auch im Afghanistankrieg Drogen eine Rolle spielen).


Man könnte noch mehr sagen. Etwa dazu, dass die meisten Drogentoten nicht an den Substanzen selbst, sondern an den Umständen (Verarmung, verunreinigte Drogen, Überdosierung mangels Informationen, AIDS durch gebrauchte Spritzen etc.) sterben. Dazu, dass es an anderer Stelle als selbstverständlich gilt, erwachsenen Menschen die Freiheit zuzugestehen, Risiken auf sich zu nehmen (ungesunde Ernährung, Extremsportarten). Heroin zu verbieten ist genauso plausibel wie das Verbot ungesunder Ernährung (mal wieder die unangenehmen Fakten: an letzterem sterben viel mehr Menschen).

Anti-virus applications and the Bundestrojaner

Monday, October 10. 2011, 20:05
BundestrojanerTwo days ago, the german Chaos Computer Club (CCC) published a sample that's supposedly a variant of a german state spy software (the so-called "Bundestrojaner").

You might wonder if your anti virus software is protecting you. The webpage Virus Total lets you upload suspicious files, scans them with 43 different anti virus applications and presents you the result. Currently, 24 of 43 scanners detect the Bundestrojaner.

The CCC provides some further information where they state that the file they released is not the original one - they had several samples that differed and to avoid detection of the potential source, they changed the differing parts to something completely else. You might wonder if your anti virus app also detects the "original" Bundestrojaner and not just the modified file the CCC released.

We can easily check this if we change the modified pieces again to something else. A modified variant lowered the detection rate to 14 of 43 - amongst them the popular McAffee software. Now, it's pretty useless to only detect the exact published sample of a malware if we know that the original malware is different.

ApplicationVersionSig dateModified sampleOriginal CCC sample
AhnLab-V32011.10.08.012011-Okt-09Trojan/Win32.R2d2Trojan/Win32.R2d2
AntiVir7.11.15.1752011-Okt-09TR/GruenFink.1TR/GruenFink.1
Antiy-AVL2.0.3.72011-Okt-09--
Avast6.0.1289.02011-Okt-09Win32:Trojan-genWin32:Trojan-gen
AVG10.0.0.11902011-Okt-07--
BitDefender7.22011-Okt-10Backdoor.R2D2.ABackdoor.R2D2.A
ByteHero1.0.0.12011-Sep-23--
CAT-QuickHeal11.002011-Okt-07--
ClamAV0.97.0.02011-Okt-10Trojan.BTroj-1Trojan.BTroj-1
Commtouch5.3.2.62011-Okt-10-W32/R2D2.A
Comodo104072011-Okt-10-Backdoor.Win32.R2D2.A
DrWeb5.0.2.033002011-Okt-10--
Emsisoft5.1.0.112011-Okt-10Trojan.Win32.Bundestrojaner!A2Backdoor.Win32.R2D2!IK
eSafe7.0.17.02011-Okt-06--
eTrust-Vet36.1.86052011-Okt-07--
F-Prot4.6.2.1172011-Okt-09-W32/R2D2.A
F-Secure9.0.16440.02011-Okt-10Backdoor:W32/R2D2.ABackdoor:W32/R2D2.A
Fortinet4.3.370.02011-Okt-10-W32/R2D2.A!tr.bdr
GData222011-Okt-10Backdoor.R2D2.ABackdoor.R2D2.A
IkarusT3.1.1.107.02011-Okt-10-Backdoor.Win32.R2D2
Jiangmin13.0.9002011-Okt-09--
K7AntiVirus911552582011-Okt-08--
Kaspersky9.0.0.8372011-Okt-09Backdoor.Win32.R2D2.aBackdoor.Win32.R2D2.a
McAfee5.400.0.11582011-Okt-10-Artemis!930712416770
McAfee-GW-Edition2010.1D2011-Okt-09-Artemis!930712416770
Microsoft177022011-Okt-10Backdoor:Win32/R2d2.ABackdoor:Win32/R2d2.A
NOD3265292011-Okt-10Win32/R2D2.AWin32/R2D2.A
Norman6.7.20112011-Okt-09--
nProtect2011-10-10.012011-Okt-10--
Panda10.0.3.52011-Okt-09-Suspiciousfile
PCTools8.0.0.52011-Okt-10Backdoor.R2D2Backdoor.R2D2
Prevx3.02011-Okt-10--
Rising23.78.06.022011-Okt-09--
Sophos4.70.02011-Okt-10Troj/BckR2D2-ATroj/BckR2D2-A
SUPERAntiSpyware4.40.0.10062011-Okt-08--
Symantec20111.2.0.822011-Okt-10Backdoor.R2D2Backdoor.R2D2
TheHacker6.7.0.1.3182011-Okt-09--
TrendMicro9.500.0.10082011-Okt-09--
TrendMicro-HouseCall9.500.0.10082011-Okt-10-BKDR_R2D2.A
VBA323.12.16.42011-Okt-07--
VIPRE107182011-Okt-10-Trojan.Win32.Generic!BT
ViRobot2011.10.10.47102011-Okt-10--
VirusBuster14.1.3.02011-Okt-09--

Scans done Monday morning around 8:00.

Free rar unpacking code

Saturday, October 8. 2011, 20:03
One of the few pieces of non-free software I always needed on my system is a rar unpacker. Despite that there are very good free alternatives for high-compression archivers like 7-zip or tar.xz, many people seem to like relying on a proprietary format like rar and it's in widespread use.

Years ago, someone came up with a GPLed rar unpacker, but sadly, that was never updated to support the rar version 3 format. Its development is stalled.

For that reason, some time back I suggested to the Free Software Foundation to add a free rar unpacking tool to their list of high priority projects - they did so. Happily I recently read that they've removed it. There's The Unarchiver now, based on an old amiga library. It supports a whole bunch of formats - including rar v3. It's mainly a MacOS application, but it also provides a command line tool that can be compiled in Linux.

It needs objective C, the gnustep-base libraries and it took me some time to get it to compile properly. For the Gentoo-users: I already committed an ebuild, just run "emerge TheUnarchiver".

Der Papst

Wednesday, September 21. 2011, 22:05
PapstDer Papst kommt nach Berlin. Das dürfte jedem, der die Medien verfolgt, nicht entgangen sein. Morgen wird seine Heiligkeit die Hauptstadt aufsuchen und eine Rede mit teilweise leeren Bänken im Bundestag abhalten.

Was schreibt man zu so einem Anlass? Ich meine Papst kritisieren ist ja irgendwie so ein bisschen wie Scientology kritisieren - weiß eh jeder der es wissen möchte. Nun ja, die taz brachte doch tatsächlich das Kunststück fertig, gestern den Sexismus in der Piratenpartei anzuprangern und heute einen Artikel zur Verteidigung von Joseph Kardinal Ratzinger zu bringen. Eine Quote für katholische Priester wurde darin nicht gefordert. Manche Leute fangen auch plötzlich an, angesichts des Besuchs seiner Heiligkeit und der Tatsache, dass sich einige die Frechheit erlauben, das nicht gut zu finden, zu fragen, warum man denn ausgerechnet dann sein Demonstrationsrecht wahrnehmen muss, wenn das Objekt des Protests gerade da ist.

Aber eigentlich ziehe ich schon jetzt zum Papstbesuch ein relativ optimistisches Fazit: Vor ein paar Jährchen (6 Jahre ist das schon her, ich bloggte schon damals) machte sich Ratzinger auf nach Köln zu einem Event namens Weltjugendtag, an dem ihm Schaaren von Jüngern zu Füßen lagen. Von Protesten hat man damals nichts mitbekommen. Das ist heute anders. Das ist schön.

Terminhinweis: Donnerstag, 22.September (morgen), 16:00 Uhr, Potsdamer Platz, Demonstration gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes

Update: Nett war's. Und ich muss mich ganz furchtbar entschuldigen, meine Erinnerungen waren unzureichend. Es gab auch damals beim Weltjugendtag Proteste.

Thesen zum Wahlerfolg der Piratenpartei

Monday, September 19. 2011, 13:27
Zugegeben, es ist nicht sonderlich originell, am Tag nach dem überraschenden Wahlerfolg der Piratenpartei (8,9 Prozent nach letzten ARD-Hochrechnungen) darüber zu schreiben, aber ich sinniere gerade über zwei Thesen, die ich gern teilen würde.

Das Thema Transparenz und die Bedeutung des Berliner Wasservolksentscheids wurde total unterschätzt

Vielleicht ein kleiner Rückblick: Im Frühjahr gab es in Berlin einen Volksentscheid zur Offenlegung der Verträge über die Privatisierung der Berliner Wasserverträge. Bemerkenswert daran ist, dass es der erste erfolgreiche Volksentscheid Berlins war und das, obwohl es keine wirklich namhaften Unterstützer gab.

Die Grünen haben das Volksbegehren damals mitgetragen, aber die Piraten waren die einzigen, die das Thema in den Wahlkampf getragen haben.

Die Forderung "Transparenz", ja, die Tatsache, dass man als Bürger, egal wie man zu einem Thema steht, wenigstens wissen will, was Sache ist, ist total populär - und das ist auch richtig so.

Die Grünen hätten den Aufstieg der Piratenpartei vollständig verhindern können, wenn sie sich dem Thema "Netzpolitik" ernsthaft angenommen hätten

Erstmal eine Binsenweisheit: Traditionell gibt es in dem Spektrum, in dem die Piratenpartei erfolgreich ist, eine relativ große Sympathie für die Grünen. Nicht wenige prominente Netzaktivisten sind Grünenmitglieder.

Trotzdem scheint man sich dort verdammt schwer zu tun, sich dieser Themen anzunehmen. In der Vergangenheit hat man beispielsweise dem sogenannten "Hackerparagraphen" und den diversen Urheberrechtskörben von Brigitte "was ist ein Browser?" Zypries zugestimmt und tat sich verdammt schwer mit einer klaren Positionierung zum Zensurthema. Mir würden auf Anhieb eine Reihe von Namen einfallen, die ein grünes Parteibuch haben und netzpolitisch kompetent wären, aber von denen sitzt keiner im Bundestag.


Ein paar weitere Thesen ohne nähere Ausführung:
  • Die Piraten wird von ihren Anhängern weder als Ein-Themen- noch als Protestpartei wahrgenommen, insofern greift jede Kritik in diese Richtung ins leere.
  • Die Piraten sind in Berlin mit einem, ich sag mal, modern-linken Programm erfolgreich gewesen (beispielsweise Thema Grundeinkommen). Sie täten gut daran, diejenigen in den eigenen Reihen, die versuchen, neoliberaler als die FDP zu sein, nicht zu beachten (erinnert sich noch jemand an Aaron König?)
  • Jetzt drüber zu diskutieren ob dieser Wahlsieg eine Eintagsfliege oder ein neuer Trend ist halte ich für Kaffeesatzleserei.
  • Die Menge an inhaltlichen Plakaten der Piraten und das Fehlen solcher bei den anderen Parteien (am extremsten hat es da die SPD getrieben) hat sicher viele Menschen angesprochen.
  • Zu guter letzt: Den Piraten wäre zu empfehlen, nicht jede Kritik der Form "das ist aber unrealistisch/unfinanzierbar" ernst zu nehmen. So weit weg ist die Idee eines kostenlosen Nahverkehrs in einer Stadt, in der über 100 Menschen wegen Schwarzfahren im Knast sitzen, nicht.

Einweg oder Mehrweg?

Monday, September 12. 2011, 21:27
Einweg- und MehrwegflascheIch habe hier gerade zwei leere Bio-Zitronensaftflaschen. Die eine ist von Alnatura, die andere von Voelkel. Auf der Alnatura-Flasche ist deutlich "ohne Pfand" zu lesen, auf der Voelkel-Flasche "Für die Umwelt - Mehrweg" (siehe Foto).

FlaschenbodenNur sind beide Flaschen bis auf das Etikett komplett identisch. Beide haben sogar eine identische Eingravierung am Boden: "어 ε - 0,2l 21,2 - E48". Insofern könnte man sich für die "kein Pfand"-Flasche von Alnatura vermutlich auch Pfand holen.

Ich hab mal an Alnatura und Voelkel geschrieben, ob sie mir das aufklären können. Ich berichte hier, wenn ich etwas erfahre.

Update:

Antwort von Alnatura:
Wir verkaufen den Alnatura Zitronensaft nicht nur in unseren Alnatura Super Natur Märkten, sondern auch über unsere Handelspartner wie beispielsweise dm-drogerie markt. Aus logistischen Gründen unserer Handelspartner gab es zu der aktuellen Verpackung (Einwegflasche) leider keine Alternative.

Wir verfolgen einen ständigen Verbesserungsprozess und geben Ihre Rückmeldung zu Mehrwegflaschen gerne auch an die zuständigen Kollegen aus dem Produktmanagement zur Prüfung weiter. Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass wir Ihnen aufgrund der Vielzahl an Kundenanregungen keine Rückmeldung darüber geben können, ob und wann Ihr Wunsch umgesetzt wird.


Antwort von Völkel:
Die Voelkel Flasche ist definitiv eine Pfandflasche. Die Alnatura Flasche ist zwar dieselbe, wird aber aus irgendwelchen Gründen (vermutlich Logistische Gründe) nicht als solche benutzt, sondern als Einwegflasche.

Bei der Antwort von Alnatura hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass sie meine Frage nicht wirklich gelesen hatten. So richtig schlau werde ich daraus jetzt auch nicht...

Michael S. Hart was a true visionary

Sunday, September 11. 2011, 19:03
Odyssey - book from Project GutenbergMichael S. Hart, the founder of Project Gutenberg, died some days ago.

Project Gutenberg, if you don't know, is a webpage collecting electronic books online. It was founded in 1971 (yes, long before the Internet as we know it today existed), when Hart typed the Declaration of Independency on a Xerox mainframe. Hart can be seen as the inventor of electronic books - 40 years ago.

We're still waiting for ebooks to get into mainstream. Currently, ebook reading devices are available, but their usage is not widespread yet. But I'm almost certain that ebooks will become very important within the next years. Hart had that opinion 40 years ago.

Today, Project Gutenberg has about 36.000 books. Most of them are public domain, because their copyright expired. There are other similar projects today: Wikisource is a sister project of Wikipedia and archive.org has a lot of scanned books, including most of the public domain books digitalized by Google.

Some mission statements for Project Gutenberg from Michael S. Hart (taken from Wikipedia) I find that sum up things very well:
"Encourage the Creation and Distribution of eBooks"
"Help Break Down the Bars of Ignorance and Illiteracy"
"Give As Many eBooks to As Many People As Possible"

Morgen Freiheit statt Angst: Auf die Straße!

Friday, September 9. 2011, 18:58
Morgen findet die inzwischen schon traditionell zu nennende jährliche Demonstration „Freiheit statt Angst“ in Berlin statt. Seit 2007 gehen jährlich tausende Menschen unter diesem Motto für Datenschutz und digitale Bürgerrechte auf die Straße. Los geht es um 13:00 Uhr am Pariser Platz (Brandenburger Tor).
Freiheit statt Angst 2011
Angesichts der aktuellen Auseinandersetzungen – im Moment ist ja wieder die Vorratsdatenspeicherung ganz hoch im Kurs – möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, zur Teilnahme aufzurufen.

Und für alle, denen Berlin zu weit ist, sei hier auch nochmals darauf verwiesen, dass zur Zeit eine Petition gegen die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung beim Bundestag läuft – die bislang leider mit etwa 20.000 Unterstützern noch nicht so gut läuft wie sie sollte. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Einer Umfrage zu Folge spricht sich die Mehrheit der Bundesbürger gegen eine anlasslose Speicherung von Kommunikationsdaten aus.

VerschwörungsspinnerEinen Kritikpunkt möchte ich hier aber noch loswerden. Im vergangenen Jahr wurde die Demonstration von übermäßig vielen 9/11-Verschwörungstheoretikern heimgesucht – das ging so weit, dass ein englischsprachiger Artikel die Situation so darstellte, als sei es insgesamt eine Protestaktion von Verschwörungstheoretikern gewesen (was Unfug ist, es war eine Handvoll unter Tausenden). Einen ähnlich gelagerten Fall gab es bereits 2008 in Köln, als eine Datenschutzdemo von einer christlichen Sekte geradezu okkupiert wurde. Angesichts dieser Vorgeschichte finde ich es mehr als unglücklich, ausgerechnet Esoqueen Nina Hagen zur diesjährigen Demonstration einzuladen. Die hat nämlich zu HAARP und UFOs auch eher interessante Ansichten und ist mir bislang nicht durch intelligente politische Analysen aufgefallen.

Aber nichtsdestotrotz: Die Themen sind verdammt wichtig, die Gegenseite schläft nicht. Also: Morgen auf die Straße!

Vortragsfolien zu Wirtschaftswachstum und Stromsparen

Monday, September 5. 2011, 19:19
Auf dem eben zu Ende gegangenen Klimacamp im rheinischen Braunkohlerevier habe ich zwei Vorträge gehalten und stelle hier die Vortragsfolien zur Verfügung. Web 2.0-Kompatibel gibt's die Folien auch auf Slideshare

Vortragsfolien "Wirtschaftswachstum" als ODP, als PDF und Online auf Slideshare
Vortragsfolien "Stromsparen" als ODP, als PDF und Online auf Slideshare

Der erste Vortrag baut teilweise auf alten Folien auf, die ich vor knapp 1,5 Jahren genutzt hatte.

The sad state of the Linux Desktop

Sunday, August 21. 2011, 21:30
TuxSome days ago it was reported that Microsoft declared it considers Linux on the desktop no longer a threat for its business. Now I usually wouldn't care that much what Microsoft is saying, but in this case, I think, they're very right – and thererfore I wonder why this hasn't raised any discussions in the free software community (at least I haven't seen one – if it has and I missed it, please provide links in the comments). So I'd like to make a start.

A few years ago, I can remember that I was pretty optimistic about a Linux-based Desktop (and I think many shared my views). It seemed with advantages like being able to provide a large number of high quality applications for free and having proven to be much more resilient against security threats it was just a matter of time. I had the impression that development was often going into the right direction, just to name one example freedesktop.org was just starting to try to unify the different Linux desktop environments and make standards so KDE applications work better under GNOME and vice versa.

Today, my impression is that everything is in a pretty sad state. Don't get me wrong: Free software plays an important role on Desktops – and that's really good. Major web browsers are based on free software, applications like VLC are very successful. But the basis – the operating system – is usually a non-free one.

I recently was looking for netbooks. Some years ago, Asus came out with the Eee PC, a small and cheap laptop which ran Linux by default – one year later they provided a version with Windows as an alternative. Today, you won't find a single Netbook with Linux as the default OS. I read more often than not in recent years that public authorities trying to get along with Linux have failed.

I think I made my point; the Linux Desktop is in a sad state – I'd like to discuss why this is the case and how we (the free software community) can change it. I won't claim that I have the definite answer for the cause. I think it's a mix of things, I'd like to start with some points:
  • Some people seem to see Desktop environments more as a playground for creative ideas than something other people want to use on a daily basis in a stable way. This is pretty much true for KDE 4 – the KDE team abandoned a well-working Desktop environment KDE 3.5 for something that isn't stable even today and suffers from a lot of regressions. They permanently invent new things like Akonadi and make them mandatory even for people who don't care about them – I seriously don't have an idea what it does, except throwing strange error messages at me. I switched to GNOME, but what I heard about GNOME 3 doesn't make me feel that it's much better there (I haven't tested it yet and I hope that, unlike the KDE-team, GNOME learns from that and supports 2.x until version 3 is in a state working equally well). I think Ubuntu's playing with the Unity Desktop go in the same direction: We found something cool, we'll use it, we don't care that we'll piss of a bunch of our users. In contrast to that, I have the impression that what I named above – the idea that we can integrate different desktop environments better by standards – isn't seen as important as it used to be. (I know this part may provoke flames, I hope this won't hide the other points I made)
  • The driver problem. I still encounter it to be one of the biggest obstacles and it hasn't changed a bit for years. You just can't buy a piece of hardware and use it. It usually is “somehow possible”, but the default is that it requires a lot of extra geeky work that the average user will never manage. I think there's no easy solution to that, as it would require cooperation from hardware vendors (and with diminishing importance of the Linux Desktop this is likely getting harder). But a lot of things are also self-made. In 2006, Eric Raymond wrote an essay how crappy CUPS is – I think it hasn't improved since then. How often have I read Ubuntu bug reports that go like this: “My printer worked in version [last version], but it doesn't work in [current version]” - “Me too.” - “Me too.” - “Me too” - no reply from any developer. One point that this shares with the one above is the caring about regressions, which I think should be a top priority, but obviously, many in the free software community don't seem to think so. (if you don't know the word: something is called a regression if something worked in an older version of a software, but no longer works in the current version)
  • The market around us has changed. Back then, we were faced with a “Windows or nothing” situation we wanted to change to a “Windows or Linux” situation. Today, we're faced with “Windows or MacOS X”. Sure, MacOS existed back then, but it only got a relevant market share in recent years (and many current or former free software developers use MacOS X now). Competition makes products better, so Windows today is not Windows back then. Our competitors just got better.
  • The desktop is loosing share. This is a point often made, with mobile phones, tablets, gaming consoles and other devices taking over tasks that were done with desktop computers in the past. This is certainly true for some degree, but I think it's also often overestimated. Desktop computers still play an important role and I'm sure they will continue to do so for a long time. The discussion how free software performs on other devices (and how free Android is) is an interesting one, too, but I won't go into it for now, as I want to talk about the Desktop here.

Okay, I've started the discussion, I'd like others to join. Please remember: It's not my goal to flame or to blame anyone – my goal is to discuss how we can make the Linux desktop successful again.
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